Archive for March, 2012

panthermedia.net/Dieter Beselt

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Die Künstlerin Sharon van Etten ist in unseren Breiten noch nahezu unbekannt. Das könnte sich bald ändern dank ihres neuen Albums „Tramp“.

Einer der Songs handelt von ihren immer wieder kehrenden Panikattacken und gibt auf eine eindringliche Weise eine Anleitung zum Überstehen von solchen Zuständen. Geholfen wird ihr dabei von dem Musiker Zach Condon, der sonst bei der Band Beirut singt und selbst auch unter Panikattacken leidet. Die Songs auf dem Album „Tramp“ zeugen von Ehrlichkeit und einer Art Selbsttherapie. Der Song We are Fine bildet einen der Höhepunkte des dritten Albums, aber auch die anderen Songs können sich sehen lassen.

Mit dem aktuellen Album könnte die Künstlerin endlich den Sprung schaffen weg von „Amerikas bestgehütetem Geheimnis“(The Observer) hin zu einer ernst genommenen Künstlerin, der die Konzerthallen dieser Welt gebühren.

Die zwölf Songs auf dem Album sind eigensinnig und die Poesie erschließt sich oft erst beim zweiten oder dritten Hören. Sharon van Etten scheint mehr Wert auf die Atmosphäre ihrer Stücke zu legen, als auf Melodien. Kaum ein Song funktioniert nach dem Strophe/Refrain-Prinzip.

Die Biographie der Künstlerin ließt sich spannend. Während ihrer fünfjährigen Beziehung mit einem Musiker hätte sie beinahe die Musik aufgegeben, da dieser ihr keinen Mut zu sprach, ja sogar ihre Gitarre versteckte. In einer Nacht- und Nebelaktion verließ sie ihn und zog fortan als Singer/Songwriterin durch die Lande. Ihre Sozialphobie schränkte sie oft ein, doch mit Hilfe ihrer Musik bekam sie die Attacken in den Griff. In New York angekommen, landete sie nach kurzer Zeit auf der Straße, da sie sich die Mieten nicht leisten konnte. So lebte sie über ein Jahr in ihrem Auto oder bei diversen Freunden. Ihre Beziehung hat sie mittlerweile über mehrere Songs hinweg verarbeitet. Nun folgt das große Geschäft.

Konzert © kiri - Fotolia.com

Konzert © kiri - Fotolia.com

Das Geheimnis des dänischen Trios WhoMadeWho, das seit 2003 existiert und seitdem weltweit riesige Hallen ausverkauft, liegt in seiner Diversität. Die drei Mitglieder kommen alle aus vollkommen unterschiedlichen Musikrichtungen, der Bassist ist mit Rockbands sozialisiert worden, der Gitarrist hat Jazz an der Musikakademie in Kopenhagen studiert und der Drummer ist DJ und damit mit der Clubszene vertraut. Diese Melange an verschiedenen musikalischen Voraussetzungen ist der Musik von WhoMadeWho anzuhören. Sie sind Disco, aber sie sind auch Punk. Diese beiden Richtungen galten lange Zeit als unvereinbar, nicht nur musikalisch, sondern auch politisch war der rebellische Punk meilenweit vom seichten Disco entfernt. Seit den frühen 2000er Jahren aber stimmt das nicht mehr so ganz.

WhoMadeWho haben sich mit dem nötigen fehlenden Respekt daran gemacht, Genre-Mauern einzubrechen. Sie benutzen Synthesizer genauso wie E-Gitarren, stoische Basslinien werden mit Hardore-Gesang und seichten House-Klängen gemischt, eine wilde Mischung, die erstaunlich gut zusammen passt. Sogar so gut, dass sich aus dem eklektizistischen Mischmasch ein neues Genre mit dem Namen Discopunk entwickelt hat. WhoMadeWho haben es vorgemacht, und inzwischen ist Indie-Rock, der ohne elektronische Verzierungen auskommt, fast eine Seltenheit. Bands wie die ‘Yeah Yeah Yeahs’, ‘You say party! we say die!’ oder ‘Hot Chip’ sind längst auf den Zug aufgesprungen, und die Menge tobt.

So wird es auch wieder auf der kommenden Tour von WhoMadeWho sein, die letztes Jahr ihr viertes Album mit dem Titel Knee Deep veröffentlicht haben. Die Tour führt sie nach Deutschland, Italien, Frankreich, Dänemark und die Schweiz. Fans können sich auf eine ausgefallene Bühnenshow freuen, für ihre ausgefallenen Outfits sind WhoMadeWho auch bekannt. Präsentiert werden die Konzerte der dänischen Discopunks übrigens von dem amerikanischen Bekleidungshersteller Carhartt. Mode und Musik sind nämlich genau so wenig voneinander zu trennen wie die einzelnen musikalischen Stilrichtungen.