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In einer vom Großvater geerbten neuseeländischen Gartenhütte tat 1993 Tony Osborne einen Schatz in Form von hunderten Dosen Nitro-Filmrollen, bestehend aus Kopien von Spielfilmen, die überwiegend aus den Zeiten des Stummfilms stammen.
Der ehemaliger Filmvorführer Jack Murtagh konnte diese Schätze dort aufbewahren, weil Neuseeland ganz hinten in der Auswertungskette lag, wo Filmkopien nach einer langen Weltreise meist in eher schlechtem Zustand ankamen und deshalb nicht vermisst wurden, wenn Murtagh sie nicht zurücksandte.
Als sensationeller Fund kamen nun drei Rollen aus dem verschwunden geglaubten Film „The White Shadow“ von 1923 zum Vorschein, an dem auch Alfred Hitchcock arbeitete.
Nachdem Hitchcock den britischen Regisseur Cutts entlassen hatte, wurde sein Talent vom Produzenten Michael Balcon entdeckt, der Hitchcock selbst arbeiten ließ. Doch keiner der Filme, bei denen er selbst die Regie übernahm, galt als erhalten. Filmhistoriker suchen nun in dem frühen Werk „The White Shadow“ die charakteristische Handschrift Hitchcocks. Bis die restlichen drei Rollen gefunden werden, bleibt das Ende des Films jedoch offen.
Das empfindliche Nitro-Filmmaterial wird derzeit von Restauratoren in Wellington bearbeitet. In Deutschland zählt das Material zu den Sprengstoffen, weil es sich schon ab einer Umgebungstemperatur von 38 Grad Celsius entzünden kann.
Um die Rekonstruktion bemüht man sich durch Schwarz-Weiß-Duplikate, um die ursprüngliche Einfärbung, der damals jeder Szene entsprechend der dramaturgischen Stimmung angepasst wurde, zu erhalten.
Fakt ist, dass nur ein kleiner Teil der internationalen Filmproduktion erhalten ist, die um die Jahrhundertwende ihre Anfänge fand. Grund dafür ist vor allem, dass der Film bis zur Gründung der ersten nationalen Filmarchive in den Fünfzigern, nicht als schützenswerte Kunst galt.
Zwar scheint ziemlich gewiss, dass Jack Murtagh die historischen Filmrollen nicht ganz legal seinen Besitz nennen konnte, doch bleibt zu hoffen, dass gerade durch diese Vorgänge noch weitere Filmarchive zum Vorschein kommen, die als Kulturgut gerettet und an öffentliche Institutionen übergeben werden können.
