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In der frühen Phase der Renaissance, die nach der Meinung vieler Historiker mit der Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus im Jahr 1492 begann, wandelte sich das Menschenbild entscheidend. Der Mensch rückte zusehends in den Mittelpunkt des Universums, das theozentrische Weltbild des Mittelalters wurde immer mehr durch anthropologisches ersetzt. Dies ist in allen Formen der Kunst zu beobachten, sei es in der Literatur, im Theater, in der Musik, der Architektur, oder in der Malerei.

Die Ausstellung Dürer-Cranach-Holbein, die noch bis zum vierten September im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen ist, beschäftigt sich mit der Porträtmalerei um 1500 im deutschen Kulturraum. Als Einstieg in die Thematik wählte Kurator und Kunsthistoriker Karl Schütz ein Porträt des Habsburger-Herzogs Rudolf der IV., gemalt von einem unbekannten Künstler um 1360. Es gilt als das älteste Porträt des Okzidents und ist deshalb bemerkenswert, weil der Künstler die Gesichtslähmung Rudolf des IV nicht zu kaschieren versucht, sondern eine wirklichkeitsgetreue Darstellung seines Modells bietet, sieht man einmal von der erfundenen Krone ab. Es ist die erste große Überblicksausstellung über das frühe deutsche Porträt und nicht nur in seinem ältesten Werk fällt dem Betrachter der schonungslose Realismus der Künstler ins Auge. Teilweise wenig schmeichelhaft werden die meist adeligen Modelle portraitiert und so mancher Betrachter mag sich wundern, dass die Künstler in den Folgezeit weiter in der Lage waren den Pinsel zu führen und nicht wegen Majestätsbeleidigung die rechte Hand oder gar den Kopf einbüßen mussten. Die Künstler gingen sogar noch einen Schritt weiter und begannen auf ihrer Suche nach Authentizität die Burgen der Fürsten zu verlassen und das gemeine Volk auf Leinwand zu bannen. Ein Beispiel ist Dürers Kopfstudie einer „Lachenden Bäuerin“. Dieses Bestreben feierten sie als „Entdeckung des Menschen“ und setzten so den Bruch mit den Traditionen des Mittelalters fort.